Gesang der Fledermäuse

Die schrullige alte Janina lebt fast allein auf der Glatzer Hochebene und kümmert sich dort im Winter um die Sommerhäuser reicher Städter. Außerdem widmet sie sich intensiv der Astrologie. Lediglich mit einem Nachbarn, einem ehemaligen Gesang der Fledermäuse Schüler und der Inhaberin eines Secondhand-Ladens ist sie befreundet. Einmal in der Woche gibt sie Englischunterricht im benachbarten Dorf. Sie fühlt sich mit der Natur innig verbunden. Janina ist traurig, weil sie annimmt, dass ihre beiden Hündinnen von den Jägern erschossen wurden. Dann wird ihr Nachbar Bigfoot tot aufgefunden. Er ist am Knochen eines gewilderten Rehs erstickt. Mit der Zeit tauchen weitere ermordete Männerleichen auf, alle waren überzeugte Jäger. Janina glaubt an einen Rachefeldzug der Tiere aufgrund jahrelangen respektlosen Verhaltes gegenüber der Natur und vertritt diese Überzeugung auch lautstark vor der Polizei und ihren Mitmenschen. Schon bald gilt sie als verwirrt und wird nicht mehr ernst genommen. - Der Roman ist sprachschön geschrieben, aber nicht leicht in Worte zu fassen oder gar einem Genre zuzuschreiben, weshalb ich den Klappentext etwas in die Irre führend finde. Janina scheint eine versponnene Alte zu sein, ist aber gleichzeitig hochintelligent. Die Geschichte ist tiefsinnig, kritisch, verwirrend, traurig und humorvoll. - Für alle, die sich dem Unangepassten öffnen können, gerne empfohlen.

Nicole Lorrig

Nicole Lorrig

rezensiert für den Borromäusverein.

Gesang der Fledermäuse

Gesang der Fledermäuse

Olga Tokarczuk ; aus dem Polnischen von Doreen Daume
Kampa (2019)

306 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 601271
ISBN 978-3-311-10022-5
9783311100225
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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