Melnitz

Mit dem Jahr 1871 beginnt der Autor die Generationen übergreifende Geschichte der jüdischen Handelsfamilie Meijer über 75 Jahre hinweg, die zugleich die Geschichte einer ganzen Epoche thematisiert. Dabei ist der Titel gebende Onkel Melnitz Melnitz gleichsam das Gedächtnis ein jeder Generation, der all das weiß, was jedoch keiner wahrhaben will. Ein ewiger Jude, der immer dann seine warnende Stimme erhebt, wenn die Illusion, akzeptiert zu sein und dazuzugehören, zu weit Raum gewonnen hat. Immer wieder erzählt er Geschichten von früher, damit nichts in Vergessenheit gerät. Der Neffe Salomon, Viehhändler im Judendorf Endingen, ehrlich und erfolgreich, trägt als Erkennungszeichen immer einen Schirm; seiner französisch parlierenden Tochter Mimi gilt der Schein mehr als das Sein; der Sohn seiner Ziehtochter Chanele erhofft sich Akzeptanz, indem er sich taufen lässt und von einem großen Warenhaus in Zürich träumt. Auch in der Schweiz sind die Juden Außenseiter, doch ab dem Jahr 1937 mit seinen erschreckenden Nachrichten aus Deutschland, wird klar, dass sie in der Schweiz noch Glück gehabt haben. - Mit überschäumender Erzählfreude, sinnenfroher und detailgenauer Sprache und häufiger Situationskomik reißt der Autor den Leser mit in den Sog dieser aufregenden Familiengeschichte. Nicht nur Lesern, die viel Lesefutter brauchen, sehr empfohlen.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Melnitz

Melnitz

Charles Lewinsky
Nagel & Kimche (2006)

772 S.
fest geb.

MedienNr.: 550268
ISBN 978-3-312-00372-3
9783312003723
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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