Stadt der Verlorenen

Anlässlich von Terroranschlägen afrikanischer Extremisten in Kenia wurde Ben Rawlence, Journalist und ehemaliger Forscher für Human Rights Watch, vom Nationalen Sicherheitsrat (NSC) der USA befragt, ob das Flüchtlingslager Dadaab Stadt der Verlorenen Terrorismus erzeuge. Die Antwort findet man in diesem bemerkenswerten Buch. 1992 wurden Lager um die Stadt errichtet, um nun seit fast 25 Jahren immer neue Flüchtlingsströme aus dem somalischen Bürgerkrieg aufzunehmen und zu integrieren. Spannend beschreibt Rawlence den täglichen Überlebenskampf der fast 500.000 Seelen in der Wüste im Osten Kenias am Beispiel der Biografien von neun Personen. Darunter Guled, ein ehemaliger Kindersoldat und begeisterter Fußballer. Nisho, deren Existenz auf einer Schubkarre beruht, Tawane, der unbeugsame Jugendleiter, die Schülerin Kheyro, die sich von einer guten Ausbildung eine bessere Zukunft erhofft. - Rawlence malt ein faszinierendes, sowohl abstoßendes als auch anrührendes Porträt einer Großstadt im Chaos, deren Menschen Arbeitslosigkeit, Lebensmittelknappheit, Hoffnungslosigkeit und Kriminalität mit unbeugsamem Überlebenswillen die Stirn bieten. Die Realität übertrifft jegliche Vorstellung im Sinne von Science Fiction. Diese erzählerisch glanzvolle Reportage macht eine Menschenrechtskatastrophe fühlbar und begreifbar. Selbst für kleine Bestände empfohlen.

Gudrun Schüler

Gudrun Schüler

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Stadt der Verlorenen

Stadt der Verlorenen

Ben Rawlence
Nagel & Kimche (2016)

409 S. : Kt.
fest geb.

MedienNr.: 585380
ISBN 978-3-312-00691-5
9783312006915
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge, So
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