Die Schweigende

Die Remys: Karin, ihre drei Töchter und deren Familien, trauern um den Verstorbenen, der mit seiner Liebe und Fürsorge alle zusammengehalten hat. Karin war und ist eine distanzierte Mutter, pflichtbewusst aber verschwiegen und zu Die Schweigende keiner Zärtlichkeit fähig. Bei der Suche nach Peter, die Imke beharrlich vorantreibt, wird ihr und den Leserinnen und Lesern allmählich klar, warum Karin keine Nähe zulassen kann. Die Nachforschungen der Tochter, die sich im Erzählfluss mit den Erinnerungen der Mutter abwechseln, offenbaren ein erschütterndes Lebensschicksal, das mit einer schäbigen Denunziation im Jahre 1956 begann. Karins alleinstehende Mutter wurde das Sorgerecht entzogen und das 14-jährige Mädchen und ihr kleiner Bruder mussten fortan in einem Kinderheim vor den Toren Münchens leben, in dem katholische Nonnen ein strenges, ja unmenschliches Regime führten. - Ellen Sandberg (d. i. Inge Löhnig) ist bekannt für ihre gute Recherchearbeit, das Buch von Peter Wensierski "Schläge im Namen des Herrn", das 2006 die Debatte über Missbräuche in der Heimerziehung eröffnete, hat sie zu diesem Roman inspiriert. Für die Schilderungen der grausamen Misshandlungen bis hin zum Missbrauch muss man sich innerlich gut wappnen. Die harte Kost, die Sandberg hier serviert, wird nicht nur empfindliche Leser/-innen erschüttern. Dennoch ist der Roman für ein aufgeschlossenes Lesepublikum, das sich für die aktuelle Missbrauchsdiskussion in der katholischen Kirche interessiert, zu empfehlen.

Susanne Steufmehl

Susanne Steufmehl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Schweigende

Die Schweigende

Ellen Sandberg
Penguin Verlag (2020)

Penguin Taschenbuch ; 10485
542 Seiten
kt.

MedienNr.: 959559
ISBN 978-3-328-10485-8
9783328104858
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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