stille trommeln

Kometenhaft kam Ulla Hahn in die deutsche Lyrik. Das war 1981, mit ihrem Band "Herz über Kopf". Zehn weitere folgten. Dann pausierte sie 20 Jahre, weil sie an ihrer vierbändigen Romanautobiografie schrieb, die mehr poetisch als episch stille trommeln gestrickt war. In dieser Zeit sind aber weitere Gedichte entstanden. Ulla Hahn hat sie, mitsamt frühen Fundstücken, darunter politischen und Gelegenheitsgedichten, unter dem Titel "stumme trommeln" gesammelt. Das klingt bescheiden und ist es auch. Das Spielerische, Humorvolle ist nach wie vor da. Wort und Klang interagieren in wohlvertrauter Weise, zumal bei den hinter der Norm her rennenden Sonetten; auch das Bündnis von Fantasie und Kunstverstand hält, was es immer schon bei Ulla Hahn versprochen hat. Aber die neoromantische Dynamik ist hier abgefedert durch einen erfahrungsgesättigten Blick auf Altern und Vergänglichkeit, den Wechsel von Liebesleid und -glück. Das Fragmentarische passt zum Inhalt, zumindest bei den jüngeren Gedichten, die das Gespräch mit den Naturwissenschaften suchen. Es stören die Pfeile in den Gedichten - lyrikferne Zeichen. Eine gefällige Sammlung mit einigen Entdeckungen, lesenswert.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

stille trommeln

stille trommeln

Ulla Hahn
Penguin Verlag (2021)

201 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 603950
ISBN 978-3-328-60147-0
9783328601470
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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