Silberfischchen

Die Autorin Inger-Maria Mahlke (Jahrgang 1977) porträtiert mit betonter Sachlichkeit einen Mann, Ende 50, der unsympathisch wirkt. Denn der verwitwete Hermann Mildt, ein frühpensionierter Polizeibeamter, reagiert rücksichtslos und Silberfischchen gefühlsarm. Als er zufällig auf die etwa 50-jährige Jana Potulski trifft, die "ihn in sein Zuhause" mitnimmt, "als wäre es ihres", fühlt er sich fremdbestimmt und ausgenutzt. Da sich die Polin nicht nur im Haushalt betätigt, sondern auch erotische Ausstrahlung besitzt, erhebt Mildt Anspruch auf ihm vermeintlich Zustehendes. Noch bevor er sich seines Bedürfnisses nach Zärtlichkeit und Wärme bewusst werden kann, beherrscht ihn sein berufsbedingtes Misstrauen. Wenn er schließlich der ihm wohlgesonnenen Frau handgreiflich und laufstark unterstellt, sie wolle ihn vergiften, wird er das Opfer seines Unvermögens, die eigene Isolation zu überwinden und soziale Beziehungen aufzubauen. Das tragische Ende der novellistisch angelegten Prosa kündigt sich bereits in den ersten Romankapiteln an. Denn die zunächst harmlos erscheinende fotorealistische Beschreibung von Banal-Alltäglichem lässt erahnen, dass sich unter der Oberfläche eine zerstörerisch wirkende Kraft entwickelt. Da die Schriftstellerin in ihrem Beachtung verdienenden Roman um größtmögliche Detailtreue bemüht ist, muss sich der Leser auf zum Teil drastische Schilderungen einstellen.

Kirsten Sturm

Kirsten Sturm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Silberfischchen

Silberfischchen

Inger-Maria Mahlke
Aufbau (2010)

198 S.
fest geb.

MedienNr.: 334416
ISBN 978-3-351-03309-5
9783351033095
ca. 16,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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