Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon

Was für ein blöder Titel für ein ganz und gar nicht blödes Buch! Es ist der Bericht des Autors Martin Simons über das Jahr seines Lebens, in dem er dem Tod ebenso plötzlich wie erschreckend nahekommt und in dem er Erkenntnisse Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon gewinnt, die er andernfalls nicht hätte gewinnen können. Eine Blutung im Gehirn katapultiert Martin kurz vor Weihnachten aus seinem gewohnten Leben mit Frau, kleinem Kind und Festvorbereitungen direkt auf die Intensivstation eines Krankenhauses. Noch ist zwar nicht klar, was das lebensbedrohliche Ereignis in seinem Kopf ausgelöst hat, ganz klar ist indes, dass das, was einmal passiert ist, ein zweites Mal passieren könnte und dann vermutlich einen tödlichen Ausgang nehmen würde. Martin muss liegen, liegen, nichts als liegen, und während zahlreiche Geräte seine Vitalfunktionen so minutiös wie möglich überwachen und die Ärzte Ursachenforschung betreiben, bleibt dem Patienten nur, seine Situation zu reflektieren. Simons tut das mit einer erstaunlichen Abgeklärtheit, die sich in den knappen, klaren Sätzen widerspiegeln, die den Leser mit hineinnehmen in die Gedanken eines Mannes, der nüchtern analysiert und vor allem dem Tod gegenüber seltsam gelassen zu sein scheint. Die Ruhe, mit der der Autor sein Leben inspiziert, mag befremden, bietet dafür aber einen interessanten Einblick jenseits dramatischer Emotionen angesichts eines existenziellen Wendepunkts im Leben. Eine erkenntnisreiche Lektüre, die ihre Spannung nicht aus den äußeren Abläufen, sondern den weitaus unbekannteren inneren Umwälzungen zieht.

Susanne Holzapfel

Susanne Holzapfel

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon

Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon

Martin Simons
Aufbau-Verl. (2019)

186 S.
fest geb.

MedienNr.: 926415
ISBN 978-3-351-03788-8
9783351037888
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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