Monsignorina

Das ist ja fast unglaublich: Hermine Speier, Archäologin und Anhängerin des Münchner Schriftstellerkreises um den "Kosmiker" Stefan George, erhält 1934 als Jüdin eine gehobene Position im Vatikan. Als leitende "Fotothekarin" Monsignorina wird ihr diese verantwortungsvolle Stelle in der Direktion der Vatikanischen Museen übertragen, nachdem sie nach Hitlers Machtergreifung als Mitarbeiterin des Deutschen Archäologischen Institutes in Rom entlassen wurde. Doch die 1898 in Frankfurt am Main geborene Kaufmannstochter hatte einflussreiche Fürsprecher, v.a. den Vatikanischen Museumsdirektor Bartolomeo Nogara, der mit Papst Pius XI. eng befreundet war. Nach der Besetzung Roms durch deutsche Truppen und den Razzien gegen Juden auch in Italiens Hauptstadt muss Hermine Speier um ihr Leben fürchten. Die Nonnen der römischen Priscilla-Katakomben bieten ihr Schutz und kleiden sie mit dem Ordensgewand ein. - Spannend wie ein Krimi liest sich die Vita dieser "Grande Dame" des Vatikans, die 1989 im Campo Santo Teutonico zur letzten Ruhe gebettet wurde, versehen mit höchsten päpstlichen und deutschen Orden. Aber auch die persönlichen Schicksale, beispielsweise die unerwiderte Liebe zu dem italienischen Nationalhelden und Nordpol-Erforscher Umberto Nobile, für den sie zum katholischen Glauben konvertierte, werden hier aufgrund intensiver Archivstudien und zahlreicher Interviews mit Nachkommen, Freunden und ehemaligen Mitarbeitern der "Monsignorina" nicht ausgespart. Somit stellt diese Biografie auch einen wichtigen, auf vielerlei Quellen gestützten, packenden Beitrag zur Zeitgeschichte dar. Sehr lesenswert.

Hannes S. Macher

Hannes S. Macher

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Monsignorina

Monsignorina

Gudrun Sailer
Aschendorff (2015)

Epiphania ; 6
382 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 791819
ISBN 978-3-402-13079-7
9783402130797
ca. 19,80 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi, Re
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