Kleist

Aufgrund der vergleichsweise schlechten Quellenlage gedeihen über Heinrich von Kleists Leben seit mehr als 150 Jahren besonders viele Spekulationen. Gerhard Schulz hat den neuesten Forschungsstand zusammengetragen und geht nüchtern Kleist den vielen geheimnisumwobenen Episoden nach. Er bezieht dabei immer mit ein, dass Kleist ein Dichter war: Seine autobiografischen Äußerungen sind immer auch ein schöpferisches Produkt seiner Fantasie. Gerhard Schulz reflektiert grundsätzlich und bescheiden, was ein Biograf im Falle Kleists überhaupt zu leisten vermag. Sein Buch kann deshalb nicht mit spektakulären neuen Fakten aufwarten, etwa ob Kleist tatsächlich als preußischer Spion gegen Napoleon tätig war. Doch gerade die Behutsamkeit, mit der Schulz die Quellen darlegt und deutet, macht sein Buch zu einem Standardwerk. Dabei hat Schulz kein langweiliges und trockenes Buch geschrieben, sondern er schildert anschaulich und oft packend die schwierige Biografie eines Künstlers, der sich selbst als einen "unaussprechlichen Menschen" bezeichnet hat. Gerhard Schulz ist gerade in seiner behutsamen Annäherung an einen der sprachmächtigsten und mysteriösesten deutschen Dichter ein Meisterwerk gelungen.

Alois Bierl

Alois Bierl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Kleist

Kleist

Gerhard Schulz
Beck (2007)

606 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 276484
ISBN 978-3-406-56487-1
9783406564871
ca. 26,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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