Russland 1989

Helmut Altrichters zentrale These ist, dass auch für die Sowjetunion 1989 ein Wendejahr war, selbst wenn sie erst zwei Jahre später endgültig zusammengebrochen ist. Das Buch gliedert sich in vier Teile. Die Ausgangssituation stellt Russland 1989 der Autor dar, indem er kurz auf die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1988 eingeht. Dann folgt der zentrale Teil über die Wahl und erste Session des sogenannten Volksdeputiertenkongresses. Dieses im Frühjahr 1989 gebildete Gremium war eine Mischung aus Parlament und verfassungsgebender Versammlung. Die über zweitausend Delegierten sollten die politischen und gesellschaftlichen Kräfte des Landes bündeln und den Reformprozess der Perestroika voranbringen gegen den Widerstand der mächtigen Bürokratie. Im zweiten und dritten Teil zeigt Altrichter ausführlich, wie Glasnost, die neue Offenheit in der Berichterstattung, nicht nur viel von der historischen Wahrheit ans Licht brachte, sondern schrittweise dem sowjetischen Imperium auch die Legitimation entzog. Im vierten Teil geht es um die außenpolitischen Konsequenzen von Gorbatschows Reformpolitik für den Umbruch in Osteuropa. Neben diesen auf die Politik fokussierten Ausführungen bieten Exkurse Einblicke in die gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit. - Insgesamt bietet das Buch eine faszinierende Innenansicht der sowjetischen Führung. Und es zeigt auch, dass der im Westen so bedingungslos gefeierte Siegeszug der Freiheit auch mit enormen Opfern und Kosten verbunden war.

Michael Gellings

Michael Gellings

rezensiert für den Borromäusverein.

Russland 1989

Russland 1989

Helmut Altrichter
Beck (2009)

447 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 563235
ISBN 978-3-406-58266-0
9783406582660
ca. 12,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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