Biologie für die Seele

Die Leib-Seele-Debatte ist eines der zentralen Themen, wenn Florian Holsboer über seine Einstellung zu moderner Medizin schreibt: zu einer Medizin, die jeweils den einzelnen Menschen und seine Bedürfnisse, seine besonderen Veranlagungen Biologie für die Seele und auch genetischen Prägungen in den Mittelpunkt stellt. Holsboer will nicht unterscheiden zwischen biologisch definierten, organischen Krankheiten des Leibes und seelischen, sondern er beschreibt leicht verständlich und sehr anschaulich anhand seiner Forschungen zu Depressionen, dass seelische Krankheiten auch organisch sind, nämlich die des größten, menschlichen Organs, des Gehirns. Eingebettet in sein Plädoyer für ein anderes Medizinverständnis, eines mit dem er seit zwanzig Jahren die Arbeit des Max-Planck-Institutes leitet, erzählt er seine Lebensgeschichte im Nachkriegs-München als Kind zweier Schauspieler und seinen Weg vom Chemiestudium bis hin zum Institutsleiter und begründet auch seine Auseinandersetzung mit der Geschichte der psychiatrischen Forschung im nationalsozialistischen Deutschland: Um sich ein Bild machen zu können, gehört alles zusammen, Historie und Aktuelles, genau wie in der Medizin, die Holsboer sich wünscht, ein Blick auf das gesamte, den ganzen Menschen, Leib und Seele ist nötig. - Ein spannendes, lehrreiches und zugleich unterhaltsames Buch.

Sabine Schaefer-Kehnert

Sabine Schaefer-Kehnert

rezensiert für den Borromäusverein.

Biologie für die Seele

Biologie für die Seele

Florian Holsboer
Beck (2009)

304 S.
fest geb.

MedienNr.: 562284
ISBN 978-3-406-58360-5
9783406583605
ca. 9,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Na
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