Erinnerungsorte des Christentums

Historie hat es nicht nur mit Zeiten zu tun; auch Orte, an die sich bestimmte Erinnerungen knüpfen, wollen "besehen" und in die Gegenwart hereingenommen werden. Dieser Sammelband nimmt sich Orte vor, die für das Christentum Erinnerungsorte des Christentums von höchster Bedeutung sind: "Zentralorte" wie Bethlehem, Jerusalem, Rom oder (nicht nur für Katholiken schwer nachvollziehbar, da anmaßend und Spaltungen vertiefend) Wittenberg und Konstantinopel; "reale", kirchengeschichtlich wichtige Orte wie Montecassino, Fulda, Altötting oder Assisi und schließlich "übertragene Orte", etwa das Kreuz, das Pfarrhaus oder die Kanzel, die Familie oder die Katholikentage. Das breite Themenspektrum hat die Herausgeber veranlasst, auch die Auswahl der Autoren - jeder ein Fachmann auf seinem Gebiet - sehr breit anzulegen: Da referiert z.B. exzellent der Mittelalterhistoriker S. Weinfurtner über die weltgeschichtliche Bedeutung Canossas, heute nur mehr eine fast verwehte Ruine; und der evangelische Theologe C. Albrecht stellt die interessante Hypothese auf, dass es in Taizé gerade der fahrlässige Umgang mit der eigenen Geschichte gewesen sei, der diesen Erinnerungsort bewahrt und ihm eine zeitlose Gegenwärtigkeit verliehen habe. Leider liegt der Vorzug dieses Buches etwas einseitig auf dem Text, und der Leser hätte sich ein umfangreicheres und aufwendigeres Bildmaterial gewünscht - jedenfalls von den "realen" Orten. Dennoch ein gelungener Zugang zur christlichen Geschichte.

Richard Niedermeier

Richard Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Erinnerungsorte des Christentums

Erinnerungsorte des Christentums

hrsg. von Christoph Markschies ... Unter Mitarb. von Barbara Schüler
Beck (2010)

800 S. : zahlr. Ill., graph. Darst., Kt.
fest geb.

MedienNr.: 566680
ISBN 978-3-406-60500-0
9783406605000
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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