Gottes Klänge

"Als Musik ist das Christentum gegenwärtig, zugleich aber ist die Kirchenmusik eine Kunst und deshalb frei." Dieser Satz aus der "Einstimmung" des 50-jährigen Hamburger Theologen zu seinem großartigen Kompendium Gottes Klänge zeigt den Spannungsbogen auf, der in dieser fabelhaften Monographie stets mitschwingt und quasi deren Generalbass bildet. Freiheit und Gebundenheit kennzeichnen das Requiem eines W. A. Mozart ebenso wie die Kantaten J.S. Bachs. Erst allmählich "be-freite" sich religiös intendierte und geprägte Musik aus der "Vertäutheit" am "Schiff" des Lobgesangs auf den ewigen Gott, dessen Herrlichkeit und Größe (nicht zu vergessen: auch die Mariens) ebenso Gegenstand der Töne und Texte kirchlicher Musik sind wie immer wieder die Endlichkeit menschlichen Daseins im wahrsten Sinn des Wortes anklingt. Die Chronik der vor allem europäischen Kirchenmusik ist so grandios aufgeschlagen wie in keinem vergleichbaren Buch. Fragen der Notation, der Technik, der Kunst der Komposition und deren instrumentaler wie vokaler Interpretation werden anhand gründlicher Studien beantwortet und, wo nötig, problematisiert. Händels profaner Geist darf hier gleichberechtigt neben dem Bach-Erneuerer Mendelssohn-Bartholdy stehen. Die Eckpfeiler religiöser musikalischer Äußerung - Gregorianik und Gospel - tragen ein kunstvolles, variantenreiches Gebäude, dessen klassische Größen sich bis heute in den Kirchen und Konzertsälen einem breiten Publikum öffnen. - Ein anspruchsvolles, klug abwägendes, sehr informatives Grundlagenwerk zu Fragen und Fakten der Kirchenmusik.

Hans Gärtner

Hans Gärtner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Gottes Klänge

Gottes Klänge

Johann Hinrich Claussen
Beck (2014)

364 S.
fest geb.

MedienNr.: 771815
ISBN 978-3-406-66684-1
9783406666841
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Mu
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