Exodus

Das Buch Exodus, das zweite der fünf Bücher Mose, erzählt auf den ersten Blick von der Entstehung eines Volkes aus den Nachkommen Jakobs am Nil, von deren immer misslicher werdenden Lage und schließlich vom Auszug der Israeliten Exodus aus Ägypten unter Führung von Mose. Auch wenn Assmann die exegetische Deutung dieses Buches und v.a. den Monotheismus mit seiner Tendenz zum (wie er meint) Fanatismus sehr kritisch sieht, so steht doch auch für ihn fest, dass dieses biblische Buch nicht allein ein Dokument der Befreiungsgeschichte eines einzigen Volkes, sondern der Menschheit schlechthin ist. Darum auch der Untertitel: "Die Revolution der Alten Welt". Denn es war eine unvorstellbare Neuerung und zugleich höchste Form der Herrschaftskritik, dass nicht mehr ein König, sondern Gott selbst ein Volk in ein exklusives Liebesverhältnis bindet. Den Spuren und Folgen dieser Befreiungsgeschichte geht der Verfasser akribisch nach, sucht nach Anknüpfungspunkten in der Vorgeschichte wie in der Gegenwart, wobei letzterer sein eigentliches Interesse gilt; ist doch das Buch Exodus für Juden, Christen und Muslime gleichermaßen eine zentrale Urkunde ihres Glaubens. Empfehlenswert ist Assmanns Studie vor allem, um die kulturgeschichtlichen Hintergründe und Implikationen auszuleuchten, doch sollte man nicht übersehen, dass das volle Verständnis eines Textes nicht vom (vermeintlich) neutralen Standpunkt eines Historikers aus gewonnen werden kann, sondern ein Leben mit diesem Text, also den Glauben voraussetzt. - Für große Bestände.

Martin Niedermeier

Martin Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Exodus

Exodus

Jan Assmann
Beck (2015)

493 S. : Ill., Kt.
fest geb.

MedienNr.: 580634
ISBN 978-3-406-67430-3
9783406674303
ca. 29,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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