Was ist, kann nicht verschwinden

Eltern bilden eine untrennbare Einheit. Das ist ein unumstößliches Gesetz. Oder zumindest die Wunschvorstellung vieler Kinder. Ich-Erzählerin Lilly (15), hochbegabt und wohlbehütet, neben wissenschaftlichen astronomischen und mathematischen Was ist, kann nicht verschwinden Fragestellungen vor allen mit sich selbst beschäftigt, fällt auch aus allen Wolken, als ihr ihre Eltern die Trennungsabsicht mitteilen. Bei Bananensplit im schicken Café hatte sie zwar mit einer traurigen Nachricht gerechnet, nicht aber mit dem "Tod" ihrer Familie. Den muss sie natürlich verhindern. Wer könnte bei der Wiederzusammenführung der Eltern helfen? Als Lilly zufällig auf ein Schaf trifft, das wohl mittels Ohrwacklern der Kommunikation mächtig ist, gibt es für sie keinen Zweifel. Dieses Schaf bildet die Lösung für all ihre Probleme. Rückblickend erkennt sie lakonisch, dass sie schon immer besser in "Zahlen als in Menschenkunde" gewesen sei. - Rosenblum entwirft eine aberwitzige, tragikomische Geschichte ums Erwachsenwerden. Im treffsicheren Tonfall erzählt sie von Müttern und Töchtern, dem Verrennen in abstruse Vorstellungen, der Flucht und der Rettung in mathematische Welten. Ihr gelingt eine vorzügliche Balance zwischen Witz und Ernsthaftigkeit. Handlungsort ist das heutige Tel Aviv, sodass jüdische Kultur und Geschichte wie nebenbei einfließen. Inmitten der komplizierten Auseinandersetzung mit ihrer Realität - wo verstecke ich ein Schaf? - findet Lilly einen (schwulen) Freund, dem sie und der ihr die Augen öffnet. - Originelle Geschichte, die als Vorlage eines Woody Allen Films dienen könnte. Gerne empfohlen!

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Was ist, kann nicht verschwinden

Was ist, kann nicht verschwinden

Amalia Rosenblum
Beltz & Gelberg (2018)

374 S.
fest geb.

MedienNr.: 595121
ISBN 978-3-407-75430-1
9783407754301
ca. 16,95 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 12
Systematik: K
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