Wer morgens lacht

Anne, eine 22-jährige Biologie-Studentin, wird tags und nachts von Erinnerungsfetzen an die gemeinsame Kindheit mit ihrer älteren Schwester geplagt. Diese Kindheit ist geprägt durch die Omi: heimatvertrieben, von schwerem Rheuma Wer morgens lacht gezeichnet und aller Leichtigkeit und Fröhlichkeit abgeneigt. Schon immer dreht sich alles um ihre Schwester Marie, sie ist schön, gewollt und bekommt alles, was sie will. Zeitlebens schaut Anne mit Bitterkeit auf sie. Sie entschließt sich, ihre Geschichte bis zum ungeklärten Verschwinden der Schwester aufzuschreiben. Als sie endlich offen mit ihrer Mutter über Marie sprechen kann, rücken deren Erzählungen Annes Erinnerungen in ein anderes Licht. Am Ende des Buches wird Versöhnung mit der Vergangenheit möglich. - Was der junge Mann auf dem Titelbild soll, erschließt sich nicht, wohl aber der Titel, der Anfang eines Sprichwortes ist: "Wer morgens lacht und mittags singt, abends in die Hölle springt." Dieses Lebensmotto der Omi prägt das gesamte Leben von Anne und ihrer Familie. Die kann sich als junge Frau ihren Erinnerungen und auch ihrer Schuld stellen, sodass anstelle der steten Verfolgung durch die Vergangenheit die Versöhnung mit dieser möglich wird. Die bekannte und vielfach ausgezeichnete Autorin hat ein hochkomplexes Geflecht angelegt, in dem sich die Ich-Erzählerin auf mehreren Zeit-, Handlungs- und Erinnerungsebenen bewegt. Sie reflektiert behutsam ihr Leben und lässt die Leserin an ihren Gefühlen und Überlegungen teilhaben. - Für nachdenkliche Leserinnen, jugendliche wie erwachsene gleichermaßen, die bereit sind, sich auf ein schwieriges Leben einzulassen.

Astrid Frey

Astrid Frey

rezensiert für den Borromäusverein.

Wer morgens lacht

Wer morgens lacht

Mirjam Pressler
Beltz & Gelberg (2013)

255 S.
fest geb.

MedienNr.: 385484
ISBN 978-3-407-81143-1
9783407811431
ca. 17,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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