Achterbahn

Der britische Historiker Ian Kershaw ist ein ausgewiesener Experte für die Geschichte des 20. Jh. Nachdem er sich in "Höllensturz" (BP/mp 17/342) der ersten Jahrhunderthälfte zugewandt hatte, folgt in diesem Buch die Geschichte Achterbahn Europas seit 1950. Er hat dafür als Metapher das Bild der Achterbahn gewählt. Tatsächlich war die zweite Hälfte des 20. Jh. zwar nicht mehr von Katastrophen geprägt, Krisenerscheinungen und epochale Zäsuren traten deshalb aber dennoch auf. Erinnert sei nur an 1973 oder das Wunderjahr 1989, das nicht nur das Ende einer Weltordnung einleitete, sondern zudem die Erfindung des Internets brachte. Kershaw greift aber auch in das frühe 21. Jh. aus. Eine einschneidende Zäsur sieht er im 11. September 2001. Ansonsten fällt das Fazit des Historikers nach 800 Seiten ambivalent aus. Einerseits hätten zivile Ideale die militärischen Wertvorstellungen abgelöst, andererseits sehe auch Europa sich am Ende der zweiten Dekade des neuen Jahrhunderts mit gewaltigen Problemen konfrontiert. Er empfiehlt, gerade in schwierigen Zeiten, zusammenzubleiben, denn gemeinsam könne man den Herausforderungen noch am besten begegnen. Eine solche Aussage von einem britischen Gelehrten ist in Zeiten des Brexits doppelt schwer zu gewichten. - Für alle Bestände nachdrücklich zu empfehlen.

Bernhard Lübbers

Bernhard Lübbers

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Achterbahn

Achterbahn

Ian Kershaw
Dt. Verl.-Anst. (2019)

828 , [16] S. : Ill. (z.T. farb.), Kt.
fest geb.

MedienNr.: 922210
ISBN 978-3-421-04734-2
9783421047342
ca. 38,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
Diesen Titel bei der ekz kaufen.
Titel der Ausgabe:
Auszeichnung: