Wilde Freude

Was auf dem Röntgenbild so hübsch wie eine Kamelienknospe aussieht, ist in Wahrheit ein bösartiger Tumor in ihrer Brust. Nicht der erste Schicksalsschlag für Jeanne, die sehr jung beide Eltern verlor und deren schwerbehinderter Wilde Freude Sohn im Alter von sieben Jahren verstarb. Ihr Mann sieht sich außerstande, noch mehr Leid zu ertragen und verlässt seine Frau im Anfangsstadium der Behandlung. Während der Chemotherapie lernt Jeanne mit Mélody und Brigitte zwei Leidensgenossinnen kennen, die sie in ihrem Appartement aufnehmen, das sie gemeinsam mit Brigittes Freundin Assia bewohnen. Doch die Frauen werden nicht nur enge Verbündete im Kampf gegen den Krebs, sondern entwickeln auch einen gefährlichen Plan. Um Mélodys Tochter aus den Händen ihres Vaters zu befreien, der sie entführt hat, brauchen sie Geld und das wollen sie beim Überfall auf ein exklusives Juweliergeschäft erbeuten. Mit diesem minutiös ausgetüftelten Coup beginnt das Buch, ob er gelingt, erfährt man erst am Ende. Dazwischen erzählt der mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor eine ebenso bewegende wie spannende Geschichte, die man auf vielen Ebenen lesen kann. Das Ende einer Ehe, der gewonnene Kampf gegen den Krebs und der verlorene, Tod, Trauer, Freundschaft, Mut und Neubeginn - all das liegt in diesem fabelhaft und mitreißend geschriebenen Buch. Eigentlich sollte es keine Rolle spielen, aber ich war fasziniert, wie glaubwürdig und feinfühlig Sorj Chalandon aus weiblicher Sicht schreiben kann. Ein Schriftsteller, den zu entdecken sich lohnt und ein Roman, den ich vielen Lesern/-innen in allen Büchereien von Herzen empfehlen möchte.

Susanne Steufmehl

Susanne Steufmehl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Wilde Freude

Wilde Freude

Sorj Chalandon ; aus dem Französischen von Brigitte Große
dtv (2020)

288 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 957115
ISBN 978-3-423-28237-6
9783423282376
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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