Die Kinogängerin von Chongjin

Anhand zahlreicher Interviews, die sie über mehrere Jahre hinweg mit nordkoreanischen Flüchtlingen führte, und der Auswertung anderer glaubwürdiger Quellen gelang Barbara Demick ein eindrucksvolles Bild des Alltagslebens in einem Die Kinogängerin von Chongjin Land, in dem die wohl schärfste Diktatur unserer Zeit herrscht. Realistisch, aber dennoch sehr einfühlsam schildert sie die Lebensgeschichten einiger Personen, deren Gemeinsamkeit in dem unerschütterlichen Glauben an die beiden Führer Kim Il Sung und Kim Yong Il besteht und in dem tiefen Vertrauen in die kommunistische Bewegung mit der versprochenen segensreichen Zukunft. Dabei wird die Abschottung des nordkoreanischen Volkes von der Außenwelt ebenso beängstigend und schonungslos aufgezeigt wie die schreckliche Hungersnot in den 1990er Jahren. - Obwohl es sich bei dem Buch um einen Tatsachenbericht handelt, sind die Geschichten packend und beeindruckend geschrieben. Der Leser wird nicht nur über die Unterdrückungen der Bevölkerung durch die Machthaber und den wirtschaftlichen Zusammenbruch dieses kommunistischen Staats informiert, sondern er lernt auch die Eigeninitiativen der Menschen und ihren Erfindungsgeist kennen, der es ihnen ermöglicht, überhaupt zu überleben. Wenn die Schilderungen auch weitgehend auf Aussagen von Nordkoreanern beruhen, die sich von der Ideologie des Regimes abgewendet haben und aus ihrer Heimat geflohen sind, so ist das Werk doch sehr objektiv und zeigt deutlich die Zustände auf, die in diesem Land herrschen. Für alle größeren Büchereien zu empfehlen.

Edith Schipper

Edith Schipper

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Kinogängerin von Chongjin

Die Kinogängerin von Chongjin

Barbara Demick
Droemer (2010)

430 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 308692
ISBN 978-3-426-27438-5
9783426274385
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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