NSU

Nach fünf Jahren wurden im Juli 2018 die abschließenden Urteile im Prozess gegen Beate Zschäpe und den Mitangeklagten aus dem Umfeld der rechtsradikalen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gesprochen. 1998 war Zschäpe NSU zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den Untergrund abgetaucht. Die drei Rechtsterroristen hatten in den Jahren bis 2011 mindestens 10 Morde, zumeist an türkischen Mitbürgern, begangen, mehrere Anschläge verübt und ihr Leben im Untergrund durch mindestens 15 Raubüberfälle finanziert. Mit großer Detailkenntnis zeichnet der Autor, ehemaliger Journalist für die Süddeutsche Zeitung und heute Professor für Journalistik in Mainz, das kriminelle Handeln der NSU nach und schildert zugleich differenziert und frei von pauschalen Verurteilungen das erfolglose Bemühen staatlicher Instanzen, die Verbrechen aufzuklären. Auch im Abstand von Jahren ist kaum zu begreifen, wie falsche Annahmen und Vorurteile, die häufig die Opfer zu Tätern machten, das Nichtverfolgen wichtiger Spuren, die Zersplitterung der ermittelnden Instanzen und die Eifersüchteleien und Geheimniskrämerei zwischen Polizei, Landeskriminalämtern und dem Geheimdienst einer Aufklärung im Wege standen, die letztendlich nur durch Zufall - Selbstmord und Aufgabe der Terroristen - gelang. - Das Buch zu einem wichtigen, aber keineswegs restlos aufgeklärten Stück deutscher Kriminalgeschichte ist zugleich eine Mahnung, weiterhin wachsam gegenüber dem rechten Terror zu bleiben. Breit empfohlen.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

NSU

NSU

Tanjev Schultz
Droemer (2018)

555, [16] S. : Ill. (z.T. farb.), Kt.
fest geb.

MedienNr.: 593762
ISBN 978-3-426-27628-0
9783426276280
ca. 26,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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