Integration

Mit dem Untertitel bekommt der aus Ägypten stammende Politikwissenschaftler Beifall aus der rechten politischen Ecke - ohne dass er ihn "verdient" hätte. Hamed Abdel-Samad stellt notwendige Fragen zur Integration von Migranten, Integration der noch immer ein schlüssiges Konzept fehlt. Zudem weist er auf Widersprüche im politisch linksliberalen Spektrum hin. Wenn der Autor zum Beispiel kritisiert, dass Politik und Teile der Gesellschaft Migranten zwar förderten, aber zu wenig fordern, weil man das für Diskriminierung halte. Allerdings gleitet Abdel-Samad oft ins Pauschale ab und widerspricht sich öfters selbst. Er kritisiert z.B. die unzähligen Studien zu Migration und Integration, unter denen sich jeder das Passende aussuchen könne. Der Autor bevorzugt deshalb das unmittelbare Gespräch mit Migranten, um der Wahrheit näherzukommen - und sucht sich leider nur solche Betroffene und Experten aus, die das ihm Passende sagen. Auf den letzten Seiten seines Buches skizziert er dann einen "Marshallplan" für ein gelungenes Miteinander. Würde der Forderungskatalog seiner Meinung nach so umgesetzt, käme das Land schneller ans Ziel eines toleranten und freiheitlichen Miteinanders. Dabei will er alle relevanten Akteure in die Pflicht nehmen, von den Schulen bis zu den Islamverbänden. Schade, dass Abdel-Samad dieses Ziel selbst als kaum erreichbar darstellt, weil seine Diagnose so düster und pauschal ausfällt. Potenzial zur Umsetzung hätte sein Plan.

Markus John

Markus John

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Integration

Integration

Hamed Abdel-Samad
Droemer (2018)

271 S.
fest geb.

MedienNr.: 593032
ISBN 978-3-426-27739-3
9783426277393
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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