Stockmans Melodie

Hugo, ein vierzigjähriger Kontrabassist, hat sich einige Jahre als Jazz-Musiker in der kanadischen Metropole Montreal mehr schlecht als recht über Wasser gehalten. Dem Rat einer befreundeten Geigenbauerin folgend entschließt er Stockmans Melodie sich, in seine Heimatstadt Lissabon zurückzukehren und zu versuchen, sich von hohem Alkoholkonsum und seiner depressiven Stimmung zu befreien. Doch auch dort plagen ihn Selbstzweifel, die sich zur Obsession steigern, als er in einem Konzert eine eigene Komposition hört, an der er schon Jahre arbeitet. Gespielt wird sie vom Pianisten Luís Stockman. Und beide Musiker scheinen mehr gemeinsam zu haben als die wohl unerhört seltene Gabe, dieselbe Melodie erfunden zu haben. - Dem portugiesischen Autor gelingt eine raffinierte Doppelgeschichte um Selbstverständnis und Identität, wo zwei Schicksale wie die Seiten einer einzigen Münze existieren, dann durch Zufall aufeinanderstoßen und sich spiegeln. Da dies unglaublich und geheimnisvoll ist, sucht die Lektüre nach einer Rätsellösung. Ereignisse, Erinnerungen, Begegnungen reihen sich aneinander in einem Schwebezustand zwischen detailgetreuem Realismus und der beinahe gespenstischen Stimmung eines Thrillers. Tordo zieht alle Register mehrerer Genres: von Krimi über Familiensaga bis zum feinsinnigen psychologischen Roman. Dies und das vertrackte Zusammenspiel zweier mysteriöser Künstlerexistenzen werden diesem Roman sicherlich viele begeisterte Leser bescheren. In großen Beständen zu empfehlen. (Übers.: Barbara Mequita)

Luísa Costa Hölzl

Luísa Costa Hölzl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Stockmans Melodie

Stockmans Melodie

João Tordo
Droemer (2016)

253 S.
fest geb.

MedienNr.: 584385
ISBN 978-3-426-28125-3
9783426281253
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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