Zwischen Kollar und Krawatte

Als "Pest in der Kirche" hat Papst Franziskus den Klerikalismus bezeichnet (zitiert auf S. 26), jene Denkweise, wonach dem Priester allein aufgrund der Weihe eine herausgehobene Stellung und quasi unanfechtbare Autorität Zwischen Kollar und Krawatte zukommt, was dem Machtmissbrauch in seinen unterschiedlichen Formen Vorschub leistet. Der katholische Priester Martin Stewen war vor seiner Weihe einige Jahre Pastoralassistent in der Schweiz und verfügt auch über weltkirchliche Erfahrung. In seinem Buch setzt er sich mit den Chancen auseinander, die u.a. vom Papst und der Deutschen Bischofkonferenz angestrebte Entklerikalisierung der Kirche voranzubringen. Im weltkirchlichen Maßstab sieht er diese Chancen als sehr gering an, gleichwohl fordert er zumindest in Regionen, wo es erfolgsversprechend erscheint, einschneidende Veränderungen etwa in der Priesterausbildung oder bei Bischofsernennungen. Nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen weist er darauf hin, dass Klerikalismus - oft aufgrund gesellschaftlicher Traditionen und Strukturen - durchaus auch vonseiten der Laien gestützt wird und dass er keineswegs nur in der katholischen Kirche vorkommt. Das allgemein verständlich geschriebene Buch bringt Licht in ein ebenso gravierendes wie komplexes Problemfeld und erhielt durch die jüngste Instruktion zum Verhältnis von Pfarrern und Laien eine unbeabsichtigte Aktualität. Aus diesem Grund empfehlenswert, wo Lektüre zu aktuellen kirchlichen Themen nachgefragt wird.

Monika Graf

Monika Graf

rezensiert für den Borromäusverein.

Zwischen Kollar und Krawatte

Zwischen Kollar und Krawatte

Martin Stewen
echter (2020)

171 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 600459
ISBN 978-3-429-05479-3
9783429054793
ca. 16,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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