Dinge, die verschwinden

Am Ende verschwindet der Autor gar selbst, bleibt der letzte Satz unvollendet und wir erfahren nicht mehr, was er uns über sich sagen wollte oder etwa doch? Vielleicht ist das auch ein Hinweis auf das Verschwinden der Kolumne in der Dinge, die verschwinden FAZ, die Jenny Erpenbeck ein Jahr lang innehatte und deren Artikel nun gesammelt in einem schmalen Bändchen vorliegen. In 30 kurzen Kapiteln resümiert, erzählt, berichtet, philosophiert, lamentiert eine der bedeutendsten Chronistinnen der Wiedervereinigung Deutschlands über Dinge und Menschen, die allmählich sowohl aus ihrem als auch dem öffentlichen Leben verschwunden sind. Dazu zählen nicht nur so bedeutsame und symbolträchtige wie der Ostberliner Palast der Republik oder Leerstellen im sich rasant wandelnden Berliner Stadtbild, auch die schleichende und eigentlich unbeabsichtigte Entfremdung von der allerbesten Freundin oder die kleinen Alltagsgegenstände aus ihrer Kindheit wie der Tropfenfänger an Omas Kaffeekanne finden Erwähnung. So beinhaltet dieser mitunter sehr unterhaltsame, aber auch zum Nachdenken animierende Titel eine Ansammlung von Déjà-vu-Erlebnissen und verleitet seine Leser zur Rückschau auf die eigene Vergangenheit. - Für ausgebaute Bestände durchaus möglich.

Beate Mainka

Beate Mainka

rezensiert für den Borromäusverein.

Dinge, die verschwinden

Dinge, die verschwinden

Jenny Erpenbeck
btb (2011)

btb ; 74069
93 S.
kt.

MedienNr.: 568977
ISBN 978-3-442-74069-7
9783442740697
ca. 7,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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