Mein lautloses Gefolge

Der 1938 in Belgrad geborene und bereits 1945 in die USA ausgewanderte Charles Simic ist sicherlich in der ersten Reihe der heute einflussreichsten Lyriker anzusiedeln. Seine osteuropäischen Herkunft spürt man in der Lakonie seines Mein lautloses Gefolge Schreibens, die sich vermischt mit surrealistischen Elementen. Simic selbst hat seine Dichtung einmal als das "törichte Vergnügen eines politisch Inkorrekten" bezeichnet. Die Gedichte atmen eine große poetische Freiheit aus, die sämtliche Begrenzungen und eindeutige Zuordnungen überspringen. Geschichten werden erzählt, die irgendwann im Verlauf des lyrischen Prozesses durch surreale oder phantastische Bilder überblendet werden. Man kann aus Simic-Gedichten nicht einzelne "schöne Verse" wie etwa bei Rilke herausnehmen, man muss die Gedichte schon in ihrer ganzen Ausbreitung lesen und zu verstehen suchen - was für ungeübte Lyrik-Leser nicht immer einfach ist. Hervorzuheben ist auch die Präsentation der Gedichte in einer Form, die einer Schulkladde mehr ähnelt als einem Buch. So kann und muss man sich ganz auf das Wort konzentrieren. (Übers.: Wiebke Meier)

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mein lautloses Gefolge

Mein lautloses Gefolge

Charles Simic
Hanser (2006)

Edition Lyrik Kabinett ; 3
117 S.
fest geb.

MedienNr.: 258581
ISBN 978-3-446-20772-1
9783446207721
ca. 14,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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