Dank sei den Dingen

Ist es wichtig zu wissen, dass der Autor ein in den Niederlanden sehr angesehener Psychiater für depressive Leiden ist? Bei der Lektüre seiner Gedichte schwingt diese Information immer mit und doch wäre es vollkommen falsch, seine Dank sei den Dingen Gedichte vielleicht vorschnell als melancholisch zu bezeichnen. Will man einen "roten Faden" der Gedichte von Rutger Kopland nennen, dann ist es vielleicht seine große, manchmal schon stoisch erscheinende Konzentration in der Betrachtung von "Dingen" oder in der Annäherung an einen Menschen, der sich dann letztlich auch nach vielen Versen immer noch als ein "Geheimnis" dem Autor und auch dem Leser dieser Gedichte präsentiert. Eines seiner schönsten Gedichte, in dem das Besondere des Schreibens von Kopland hervorsticht, trägt den Titel "Weggehen": "Weggehen ist etwas anderes/ als aus dem Haus schlüpfen/ sachte die Tür ins Schloss ziehen/ hinter dem, was du bist, und nicht/ zurückkommen. Du bleibst/ jemand, der erwartet wird.// weggehen kannst du als eine Art/ Bleiben beschreiben. Niemand/ wartet, denn du bist noch da./ Niemand nimmt Abschied/ denn du gehst nicht weg//." Einfach zu lesen sind diese Gedichte nicht, aber sie eröffnen nach einer vielleicht mehrmaligen Lektüre immer neue Interpretationsmöglichkeiten. Muss nicht ein Psychiater ebenso arbeiten, wenn er einen Menschen in seiner ganzen Vielfalt verstehen will? (Übers.: Mirko Bonné, Hendrik Rost)

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Dank sei den Dingen

Dank sei den Dingen

Rutger Kopland
Hanser (2008)

Edition Lyrik Kabinett ; 10
87 S.
fest geb.

MedienNr.: 297174
ISBN 978-3-446-23071-2
9783446230712
ca. 14,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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