Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Die israelische Armee macht mobil und Ora hat ihren Sohn Ofer soeben zum Sammelpunkt der Panzertruppen gebracht. Intuitiv weiß sie, dass Ofer von diesem Einsatz nicht zurückkommen wird. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Avram, Eine Frau flieht vor einer Nachricht Ofers Vater, der diese Vaterschaft bisher verdrängte und keinen Kontakt zu seinem Sohn wollte. Avram selbst kam 1973 schwer traumatisiert nach dem Jom Kippur-Krieg aus ägyptischer Gefangenschaft zurück. Ora möchte nun nicht alleine sein und ist zudem der Überzeugung, solange sie die Nachricht von Ofers Tod nicht entgegennehme, lebe er. Deshalb bedrängt sie Avram, zusammen mit ihr mehr oder weniger ziellos durchs Land zu streifen. Indem Ora von Ofer erzählt, sieht sich Avram zum ersten Mal intensiv mit der Lebensgeschichte seines Sohnes konfrontiert. Doch auch die beiden haben eine nicht immer einfache gemeinsame Geschichte, die nun wieder ans Licht kommt. Auch wenn sich viele Unstimmigkeiten miteinander klären lassen, die Unausweichlichkeit der zu erwartenden Nachricht bleibt bestehen. - Ein sehr beeindruckender Roman, der tief in die Psyche des Menschen hinabsteigt, Ängste thematisiert und den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit wahrnimmt. Gleichzeitig ein politisches Buch, das auf ungewöhnlich offene und objektive Weise den Nahost-Konflikt reflektiert. - Sehr zu empfehlen! (Übers.: Anne Birkenhauer)

Josef Schnurrer

Josef Schnurrer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Eine Frau flieht vor einer Nachricht

David Grossman
Hanser (2010)

727 S.
fest geb.

MedienNr.: 314873
ISBN 978-3-446-23397-3
9783446233973
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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