Secondhand-Zeit

Zu Beginn der 90er Jahre ist mit dem Zerfall der Sowjetunion ein Imperium verschwunden. Ohne Spuren zu hinterlassen? "Wir waren auf die Freiheit nicht vorbereitet". Diese lakonische Zustandsbeschreibung spiegelt das Empfinden Secondhand-Zeit der Menschen wider, die überzeugt waren, den glücksverheißenden Kommunismus aufzubauen. Die 1948 in der Ukraine geborene Swetlana Alexijewitsch hört während ihrer Reisen in die großen Städte und durch die Provinz auf die Stimme des Volkes. Sie kommt mit Rentnern, Akademikern, Parteifunktionären, Künstlern und Studenten ins Gespräch, die sich schwertun, die Spielregeln des Kapitalismus zu akzeptieren. Die 2013 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Autorin enthält sich wertender Kommentare. In ihren zweiteiligen, die Jahre 1991-2012 umfassenden Aufzeichnungen lässt sie zumeist zu den Verlierern gehörende Landsleute zu Wort kommen, die mit bemerkenswerter Offenheit aus dem persönlichen Leben erzählen. Neben materiellen Sorgen sowie Alkoholproblemen steht die Liebe im Mittelpunkt, die entweder Kraft verleiht oder zerstörerisch wirken kann. Da das empfehlenswerte Buch aus in sich geschlossenen Kapiteln besteht, eignet sich die Lektüre besonders auch für jene Leser, deren Zeit knapp bemessen ist.

Kirsten Sturm

Kirsten Sturm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Secondhand-Zeit

Secondhand-Zeit

Swetlana Alexijewitsch
Hanser Berlin (2013)

569 S.
fest geb.

MedienNr.: 392992
ISBN 978-3-446-24150-3
9783446241503
ca. 27,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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