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Der Roman folgt auf zwei Zeitebenen den Wegen zweier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Anton Stöver, mittelalter Wissenschaftler, gezeichnet durch seine gescheiterte Ehe und eine erfolglose Karriere an der Universität 36,9° Göttingen und Antonio Gramsci, italienischer Kommunist, der in den 1920er Jahren in faschistischer Gefangenschaft verstarb. Nicht zufällig trägt Anton den Vornamen des berühmten Philosophen, schon seine kommunistische Mutter hat ihm diese Verbindung mit auf den Lebensweg gegeben. Nun, da seine Ehe endgültig in die Brüche gegangen ist, nutzt Anton das Angebot eines befreundeten Wissenschaftlers, in Rom gemeinsam nach verschollenen Dokumenten Gramscis zu suchen, als Chance zur Flucht aus der bedrückenden Enge seines Zuhauses - doch in Rom droht er sich zu verlieren in einer obsessiven und hitzigen Verliebtheit. - Nora Bossong gelingt es, beide Männer hervorragend zu porträtieren: Gramsci als gefangenes Genie, zunehmend ins Martyrium seiner Krankheit abdriftend und Stöver als tragikomische Figur, der in seiner Egozentrik nicht merkt, wie er selbst für sein Scheitern verantwortlich ist. Der viel beachtete Roman von Bossong ist sprachlich treffend, anspruchsvoll und doch gut lesbar, berührend und spannend, eine Mischung aus Liebes- und Entwicklungsroman, politischem Krimi und biografischem Porträt. Auch ohne geschichtliches Vorwissen ein Lesegenuss. Sehr gerne empfohlen, kann ein breites Publikum ansprechen.

Nadine Fitzke

Nadine Fitzke

rezensiert für den Borromäusverein.

36,9°

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Nora Bossong
Hanser (2015)

317
fest geb.

MedienNr.: 583302
ISBN 978-3-446-24898-4
9783446248984
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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