Kein anderes Meer

Ville Rose ist eine fiktive Stadt auf Haiti. Zwar ist die zwischen Meer, Sumpf und Bergen gelegene Stadt wunderschön, doch gibt es dort viel Armut, Leid und Gewalt. In der Rahmenhandlung des Romans verschwindet die kleine Claire an Kein anderes Meer ihrem 7. Geburtstag. Weil ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist, besucht Claire an ihren Geburtstagen immer mit ihrem Vater, dem armen Fischer Nozias, das Grab ihrer Mutter; so überlagern sich an diesem Tag immer Tod und Leben. An diesem 7. Geburtstag möchte Nozias das Mädchen zur reichen Tuchhändlerin Gaelle Lavaud geben, damit sie dort ein besseres Leben hat. Doch plötzlich ist Claire verschwunden. Die haitianisch-amerikanische Autorin erzählt ausgehend von dieser Rahmenhandlung die Geschichten verschiedener Bewohner der Stadt, deren Lebenswege sich mal zufällig und nur kurz treffen, mal stark miteinander verwoben sind: Da ist die reiche, aber ihrerseits von Schicksalsschlägen gezeichnete Tuchhändlerin, der selbstgerechte Direktor einer vermeintlich gewaltfreien Schule und sein nach zehn Jahren heimkehrender Sohn, aber auch ein idealistischer junger Journalist, der unter kriminellen Banden aufwächst, eine einsame Radiomoderatorin, ein missbrauchtes Hausmädchen. Trotz aller schweren Schicksale, die die Autorin schildert, ist dieses Buch kein düsteres, schwermütiges. Melancholisch ist es und verfügt doch auch über eine gewisse Leichtigkeit. Ein schönes Buch. (Übers.: Kathrin Razum)

Nicole Hochgürtel

Nicole Hochgürtel

rezensiert für den Borromäusverein.

Kein anderes Meer

Kein anderes Meer

Edwidge Danticat
Hanser (2015)

253 S.
fest geb.

MedienNr.: 583324
ISBN 978-3-446-24900-4
9783446249004
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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