In der freien Welt

Als er von der Ermordung seines 61-jährigen Freundes John in San Francisco erfährt, ist der österreichische Autor Hugo bestürzt. John, amerikanischer Jude, Schriftstellerkollege und Maler, lebte in einem Kibbuz, kämpfte während In der freien Welt des ersten Libanonkrieges für die israelische Armee, litt immer unter diesem Trauma und betäubte es mit Alkohol. Auch die Erinnerung an seine knapp dem Holocaust entkommene Mutter verfolgte ihn. Hugo begibt sich auf Johns Spuren nach Kalifornien, Israel und Österreich. Kennengelernt hat er ihn während eines Studienaufenthalts in Kalifornien und ihn dort immer wieder besucht. Er lädt ihn nach Österreich auf ein Literaturfestival ein, zu einer Podiumsdiskussion mit dem palästinensischen Dichter Marwat, bei der es zu einem Eklat kommt. Als überzeugter "Zionist" lässt John nichts auf den Staat Israel kommen, und Hugo streitet oft mit ihm. John, viermal verheiratet, zahlreiche Affären, hat eine Tochter in Israel, die Hugo bei einer Ausstellung seiner düsteren Bilder nach seinem Tod kennenlernt. Er versucht auch Marwat zu treffen, die palästinensische Seite zu verstehen, und trifft auf Unverständnis und Hass auf beiden Seiten. Seine Spurensuche ergibt ein verwirrendes, vielfältiges und widersprüchliches Bild, den Mord an John kann er nicht klären. - Gstreins Figuren bewegen sich in einem Minenfeld, die politischen und persönlichen Konflikte können sie nicht lösen. Keine leichte Lektüre.

Gudrun Eckl

Gudrun Eckl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

In der freien Welt

In der freien Welt

Norbert Gstrein
Hanser (2016)

492 S.
fest geb.

MedienNr.: 815792
ISBN 978-3-446-25119-9
9783446251199
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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