Ein Vorbild für die Tiere

Michael Köhlmeier ist ein großartiger Erzähler und ein faszinierender Nacherzähler antiker und biblischer Geschichten. Im "Liebhaber bald nach dem Frühstück" (2013) hat er aus dieser epischen Gabe seine poetische Essenz Ein Vorbild für die Tiere gezogen. Der zweite Lyrikband "Ein Vorbild für die Tiere" lässt staunen. Nicht nur, dass das Spektrum der Themen erweitert und das Spielbrett der Formen größer geworden ist. Michael Köhlmeier versieht seine Gedichte mit einem beherzten Ton, der an Brechts Beobachtungskunst und an Benns lyrischen Inventuren geschult ist: Lyrik fürs Auge geschrieben, mit Herz und Kopf und einer gesunden Portion Gottvertrauen. Die Gedichte sind ganz kurz, sie sind dialogisch, sie haben balladenhafte und philosophische Elemente. Wir erfahren auf leichtfüßige Weise, warum der Tod geduldig ist und ohne Häme, was "Beten im rechten Moment" bedeutet, warum man Transzendenz und Metaphysik braucht, um fröhlich zu sein, was es mit anbiedernden Symbolen und solchen Metaphern auf sich hat, die aus dem Leben einen Witz machen. Und welche Rolle Tiere, vor allem Löwen, im Leben spielen. Ein Wartender, der "boxt / Und hinkt": Köhlmeiers poetisches Menschenbild erinnert an Isaiah Berlins Philosophie vom "krummen Holz der Humanität". Ein reichhaltiger, religiös musikalischer Gedichtband, allen Beständen empfohlen.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Ein Vorbild für die Tiere

Ein Vorbild für die Tiere

Michael Köhlmeier
Hanser (2017)

138 S.
fest geb.

MedienNr.: 855171
ISBN 978-3-446-25446-6
9783446254466
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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