Wie hoch die Wasser steigen

Wenzel Groszak aus dem Ruhrgebiet, meist Waclaw genannt, ist mit seiner Freundin Milena nach Polen, dem Herkunftsland der Eltern, gezogen. Doch die materielle Situation ist prekär und Waclaw entschließt sich, Arbeit auf Ölplattformen Wie hoch die Wasser steigen anzunehmen. Er trifft auf den Kollegen Mátyás, der für Jahre sein bester Freund wird. Sie arbeiten auf verschiedenen Plattformen, und dann geschieht in einer stürmischen Nacht ein Unglück. Mátyás verschwindet in der rauen See. Für Waclaw ist der Tod des Freundes ein regelrechtes Trauma. Zurück an Land durchlebt er in Gedanken immer wieder die gemeinsamen Zeiten und Erlebnisse. Mit den Sachen seines Freundes beginnt er eine nostalgische Reise. Erst geht es nach Polen; Mátyás Sachen soll seine Familie erhalten. Er reist weiter, es geht nun über Italien, wo er einen alten Mann aus der Ruhrgebietssiedlung trifft, nach Deutschland. Es ist eine Reise voller Erinnerungen, und alles wird immer wieder überlagert von der wehmütigen Tatsache, dass sein Freund nicht mehr da ist. - In ihrem Romanerstling schildert die Autorin eindrücklich die Arbeit auf den Ölplattformen. Nur die enge Männerfreundschaft ist der Halte- und Fixpunkt über die Jahre. Und nach dem Tod des Freundes wird eine Rückschau gehalten, und zwar in vielen ungeordneten, mal kurzen Wahrnehmungssplittern und dann wieder in langen Erinnerungssequenzen. Der Stil ist eigenwillig, sehr gewöhnungsbedürftig; es ist keine einfache Lektüre. Prägnant sind die vielen ungewöhnlichen Wortschöpfungen und Beschreibungen von Landschaften und Menschen. Der Roman ist vor allem anspruchsvollen Lesern zu empfehlen. (Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018)

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Wie hoch die Wasser steigen

Wie hoch die Wasser steigen

Anja Kampmann
Hanser (2018)

349 S.
fest geb.

MedienNr.: 879791
ISBN 978-3-446-25815-0
9783446258150
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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