Asymmetrie

Die junge amerikanische Autorin schildert in ihrem Debütroman drei auf den ersten Blick nicht weiter zusammenhängende Ereignisse oder Situationen, was insofern schon den Titel rechtfertigt. Im umfangreichsten ersten Teil wird von Asymmetrie einem erklärtermaßen unverbindlichen Beziehungsabenteuer auf Zeit zwischen einer 25-jährigen Lektoratsassistentin und einem fast dreimal so alten, kränklichen aber vielfach preisgekrönten Schriftsteller, der sie von Berufs wegen interessiert, erzählt, welches aber nach und nach umschlägt in eine tiefere, von Vertrauen und Verantwortungsgefühl geprägte Liebesbindung. Im letzten kürzesten Teil erfährt der Leser in Form eines Radiointerviews einiges über das Leben des berühmten Autors. Im Mittelteil befinden wir uns auf dem Londoner Flughafen Heathrow und erleben die schikanöse Behandlung eines irakisch-amerikanischen Fluggasts mit. Amar Jafaari, in Bagdad geboren, und inzwischen amerikanischer Staatsbürger, möchte seinen Bruder, der sich im Irak aufhält, besuchen, was ihn anscheinend verdächtig macht. Außerdem will er in London einen Bekannten besuchen, was ihn weiterhin verdächtig erscheinen lässt und was zu endlosen, sich immer wiederholenden Nachfragen führt. Paranoia pur! Zur Inhomogenität und auch Asymmetrie der drei Teile, die nur indirekt miteinander verwoben sind, passt die etwas sprunghafte, aber ausgesprochen lebendige Erzählweise. Es gibt kein kontinuierliches Erzählen eines Erzählers oder einer Figur. Stattdessen wechselt die Perspektive mehrfach, Interviews und Dialoge schieben sich dazwischen. Der in Thematik und Machart ausgesprochen moderne Roman lohnt die Lektüre. (Übers.: Stefanie Jacobs)

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Asymmetrie

Asymmetrie

Lisa Halliday
Hanser (2018)

315 S.
fest geb.

MedienNr.: 894808
ISBN 978-3-446-26001-6
9783446260016
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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