Das erste Gewand

Guram Dotschanaschwili hat von 1966 bis 1978 an diesem Werk gearbeitet. Es ist also noch während der sowjetischen Epoche des Landes im Kaukasus entstanden. Die Zeitumstände, ja die Fremdherrschaft mit einer sozialistischen Politik, Das erste Gewand muss man sich heute vor Augen halten. Dann erst kann man die besondere, herausragende literarische Bedeutung dieses Buches, das nicht einfach zu lesen ist, in etwa ermessen. Es ist von vorn bis hinten ein selbständiger Antipode zum sozialistischen Realismus genau dieser Zeit und der damit einhergehenden Langeweile. Lange Zeit, von 2010 bis 2017, arbeiteten Susanne Kihm und Nikolos Lomtadse aus Saarbrücken an der deutschen Übersetzung. In einer Nachbemerkung erwähnen sie einige der sprachlichen Probleme, denen sie bei ihrer langjährigen Arbeit begegneten. Es ist kein ausdrücklich christliches Buch, doch wiederholt treffen wir auf Geschichten, Gleichnisse und Formulierungen, die Dotschanaschwili direkt aus dem Neuen Testament entnommen haben dürfte. Das Buch endet damit, dass Domenico in sein Heimatdorf zurückkehrt und geehrt wird mit einem "ersten Gewand", das dem Festkleid des Verlorenen Sohns in der Gleichnisgeschichte Jesu entspricht. Und dann erzählt Domenico, was ihm auf seiner großen Pilgerreise durch die Welt geschah. Das Buch ist eine Herausforderung für den anspruchsvollen Leser. Man liest es nicht nebenher und auch nicht eigentlich zur Unterhaltung, sondern als einen sehr eigenen Prototyp moderner Literatur, der Aufmerksamkeit verlangt und erfordert.

Armin Jetter

Armin Jetter

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das erste Gewand

Das erste Gewand

Guram Dotschanaschwili
Hanser (2018)

687 S.
fest geb.

MedienNr.: 894811
ISBN 978-3-446-26013-9
9783446260139
ca. 32,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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