Das Feld

Auf dem Feld, einem Friedhof einer Kleinstadt irgendwo in Deutschland, sitzt jeden Tag ein alter Mann und denkt über seine hier begrabenen Mitbürger nach. Da er fast jeden gekannt hat, hat auch jeder der 29 beschriebenen Protagonisten Das Feld eine eigene Lebensgeschichte zu erzählen. So kommen sowohl der Bürgermeister des Ortes zu Wort, der für das größenwahnsinnige Projekt des Freizeitzentrums verantwortlich ist, als auch der Obsthändler, dem ausländerfeindliche Parolen an die Ladenfront geschrieben wurden. Ein Pastor berichtet über seine abgebrannte Kirche, eine Lehrerin über einen Mann, der ihre verkrüppelte Hand streichelt, oder ein junger Mann resümiert über seine Spielsucht. So wie alle unterschiedlich gelebt haben, so sind sie auch unterschiedlich gestorben. Die Gemüsehändlerin vermisste niemand, als sie schon einige Tage tot in ihrer Wohnung gelegen hatte, eine Gruppe Jugendlicher verursacht unter Alkoholeinfluss einen Autounfall, ein anderer Bewohner begeht Selbstmord. - Der österreichische Schriftsteller Robert Seethaler stellt in seinem neuesten Roman (internationaler Romanerfolg "Ein ganzes Leben", BP/mp 14/690) einen Mikrokosmos einer Kleinstadt mit ganz normalen "kleinen" Leuten vor, die über Dinge berichten, die sie im Leben getan haben oder gerne getan hätten. In seiner schlichten, auf den Punkt gebrachten Erzählweise schreibt der Autor kurz und prägnant und baut Verbindungen zu einigen Personen und Handlungen auf, andere wiederum lässt er offen. So ergeben sich nach und nach Zusammenhänge. Es ist ein leises Buch mit rührenden, alltäglichen und skurrilen Schicksalen und allen Büchereien ans Herz gelegt.

Elisabeth Kemper

Elisabeth Kemper

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Feld

Das Feld

Robert Seethaler
Hanser Berlin (2018)

238 S.
fest geb.

MedienNr.: 594070
ISBN 978-3-446-26038-2
9783446260382
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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