Weit weg von Verona

Zum 90. Geburtstag erschien nun der erste Roman der englischen Bestsellerautorin auf Deutsch und mutet zum Jubiläum wie eine Retrospektive an, wie alles begonnen haben könnte. Heldin des Romans ist die 13-jährige Jessica, ein eigensinniges, Weit weg von Verona aufgewecktes Mädchen, das als Tochter eines freidenkenden Pastors und einer liberalen Mutter neben ihrem kleinen Bruder in einem englischen Pfarrhaus aufwächst. Geschichtlicher Hintergrund sind die Wirren des Zweiten Weltkrieges, dessen schreckliche Ereignisse so zum Alltag geworden sind, dass sie ebenso alltäglich von der jungen Ich-Erzählerin erwähnt werden. Jessica ist fast scheulos offen, geistig beweglich und versteht von der Erwachsenenwelt ziemlich viel. Ihre Identitätsbildung wird von Literatur und literarischem Schaffen geprägt und nur ungeheuerliche Ereignisse, wie das Zusammentreffen mit einem Kriegsflüchtling, die Begegnung mit einem reizvoll-unkonventionellen Jungen oder das unmittelbare Erleben des Krieges bringen ihr Gleichgewicht zum Wanken und zugleich ihre Persönlichkeit zur Reife. Rotzig und unterhaltsam im Ton eines Teenagers, ist der Roman die Geschichte eines unangepassten Mädchens, das unbeirrt seinen Weg geht und dabei so mancher vermeintlichen Autorität auf den Schlips tritt. Fasziniert und inspiriert von den englischen Klassikern, durch die sich Jessica frisst, befindet das mutige Mädchen sich in der Gedankenwelt der großen Vorbilder und dabei doch "weit weg von Verona". Unterhaltsam. (Übers.: Isabel Bogdan)

Christine Vornehm

Christine Vornehm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Weit weg von Verona

Weit weg von Verona

Jane Gardam
Hanser Berlin (2018)

237 S.
fest geb.

MedienNr.: 894812
ISBN 978-3-446-26040-5
9783446260405
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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