Vater unser

Achtung, Achtung: Dieser Roman kann Spuren von Manipulation, Täuschung und Verwirrung beinhalten! Denn obwohl der Leser gleich zu Beginn erfährt, dass er es mit einer jungen Frau zu tun hat, die mit einem vergitterten Polizeiwagen Vater unser in die psychiatrische Abteilung eines alten Wiener Spitals gebracht wird, vergisst er diese Tatsache nur allzu leicht. Das liegt an Eva Gruber, die ihre Geschichte von der Einweisung bis zur Flucht selbst erzählt und dabei so geschickt vorgeht, dass nicht nur die Figuren des Romans, sondern auch der Leser nicht leicht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann. Evas Plan: Sie will ihren an Magersucht leidenden Bruder Bernhard, der sich ebenfalls in der Klinik befindet, aus den Fängen der Psychiatrie befreien, um dann mit ihm zusammen Rache am gewalttätigen Vater zu nehmen, der die Familie vor langer Zeit verlassen hat. Rasant wird hier auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, mit gutem österreichischen Humor und einem absolut treffsicheren Gespür für lebensnahe Dialoge. Es ist eine wahre Wonne, Eva dabei zu beobachten, wie sie unter anderem mit ihrem Psychiater Dr. Korb Schlitten fährt. Dass die Autorin Angela Lehner dabei gleichzeitig auch ihre Leser hinter alle Fichten führt, verzeiht man ihr deshalb nur allzu gerne.

Susanne Holzapfel

Susanne Holzapfel

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Vater unser

Vater unser

Angela Lehner
Hanser Berlin (2019)

283 S.
fest geb.

MedienNr.: 597070
ISBN 978-3-446-26259-1
9783446262591
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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