Die Lebenshungrigen

Zeitgleich zur Verfilmung des ersten Romans über den Kinderclan von Neapel - die "Paranza" - erscheint die Fortsetzung. Sie schließt nahtlos an das Vor-Geschehen an und ist ohne Kenntnis des ersten Teils ("Der Clan Die Lebenshungrigen der Kinder": BP/mp 18/424) nicht verständlich. Nicolas, Mastermind des Clans, hat kaum Zeit, den Mord an seinem Bruder zu verarbeiten. Rache ist das Gebot, Waffen das Mittel, Gewalt die Sprache, die alle verstehen. Dem Kinder-Clan weht ein rauer Wind ins Gesicht. Die 15 bis 18- Jährigen sind echte Konkurrenten geworden für die alteingesessenen Clans und haben damit ihr Ziel erreicht. Gleichzeitig müssen sie - wie alle anderen Akteure im Drogengeschäft - um ihr Leben besorgt sein. Eine Action-Szene jagt die andere, ein Coup den nächsten, der Autor kümmert sich kaum noch um die psychologische Entwicklung seiner Figuren. Was hat der Erfolg mit ihnen gemacht? Eine Innenperspektive gibt es dazu nicht. Auch keine wirkliche Gegenbewegung. Die Eltern der Paranza-Mitglieder sind begeistert, als ihre Söhne dicke Bankkonten haben und Kredite bekommen. Die Gegenstimmen sind leise. Da ist Nicolas' Vater, der sich von der Familie getrennt hat und nicht einverstanden ist mit dem Weg seines Sohnes. Und da sind zwei Mütter, die Kontakt aufnehmen mit einer Sozialarbeiterin, um in ein Schutzprogramm der Polizei zu kommen. Aber ihre Söhne rettet das nicht mehr. - Die Botschaft ist deutlich: Es gibt kaum Möglichkeiten herauszukommen, wenn man sich auf die Drogendeals und die Clans eingelassen hat - eine Einbahnstraße. Ein gnadenloses Buch, wohl nah an der Realität, aber nicht mehr so facettenreich erzählt wie Teil 1. Für Büchereien mit vielen jungen Lesern empfohlen.

Gabie Hafner

Gabie Hafner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Lebenshungrigen

Die Lebenshungrigen

Roberto Saviano
Hanser (2019)

475 S.
fest geb.

MedienNr.: 598827
ISBN 978-3-446-26467-0
9783446264670
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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