Brache

Die Zahl der im deutschen Exil lebenden türkischen Intellektuellen hat in den letzten Jahren zugenommen. Der derzeitige türkische Präsident verfolgt alle gegenüber seiner Politik oppositionellen Journalisten und Schriftsteller Brache eine extreme Repression. Zu den Opfern dieser Politik gehört auch die Autorin dieses Gedichtbandes. In fast allen der hier versammelten Gedichte ist ein Echo der politischen und kulturellen Repressionen in der heutigen Türkei zu vernehmen. "Vermissen/ es nimmt dir die Kraft, es nimmt dir den Mut.// Wir sind müde,/ unsere Herzen schlagen vorsichtiger als gestern." Oder noch direkter in einem Gedicht mit dem Titel "Brief ins Gefängnis": "Wo auch immer du bist/ richte dich auf, heb deinen Kopf, /wir sind unter demselben Himmel.// Heb deinen Kopf,/ unseren Himmel können sie nicht teilen." Er, der geliebte Gegenüber des Gedichts, befindet sich im Gefängnis. "Sie", denen die Autorin ihren mutig-trotzigen Widerstand entgegenhält, sind keine anonymen Mächte, sondern man kann sie sehr genau benennen und im Zentrum des aktuellen türkischen Staatsapparats orten. Sehr treffend wurde der Titel des Bandes gewählt. Eine "Brache" ist ein unbebautes, verwaistes, verwahrlostes Stück Land. Für immer ist es aber nicht verloren. Die Gedichte in diesem Band haben die Hoffnung auf eine bessere, lebbare und lebendige Zukunft für die "Brache" (Türkei) noch nicht aufgegeben. "Was sind Gedichte anderes als eine Operation am offenen Herzen?/ vor aller Augen/ und es ist dein eigenes Herz".

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Brache

Brache

Dilek Mayatürk ; aus dem Türkischen von Achim Wagner
Hanser Berlin (2020)

107 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 969067
ISBN 978-3-446-26786-2
9783446267862
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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