Das achte Kind

Alem Grabovac schildert in seinem autobiografischen Bildungsroman, wie er als Sohn einer alleinerziehenden kroatischen Mutter zwischen zwei Kulturen aufgewachsen ist: Schon als Baby wurde er bei einer deutschen Familie in Pflege gegeben, Das achte Kind denn Smilja, seine Mutter, hatte nicht die Mittel, ihren Sohn selbst aufzuziehen: Emir, ihr Mann und Alems Vater, ein kleiner Gauner, lässt die Familie im Stich, landet in Jugoslawien im Gefängnis und stirbt. Alem wächst wohlbehütet in einer nach außen hin vorbildlichen deutschen Familie auf. Doch wenn er in den Ferien oder am Wochenende bei seiner Mutter ist, erlebt er eine zweite, von der Balkankultur und sozialen Problemen geprägte Welt: Seine Mutter ist schwach und kann ihren Sohn nicht vor den Gewalttätigkeiten ihres neuen Freundes schützen. Doch auch die "heile" Welt in der Pflegefamilie Behrens steht auf tönernen Füßen: Zwar fehlt es Alem dort an nichts, er darf aufs Gymnasium, später studieren und wird wie ein eigens Kind der vielköpfigen Familie behandelt. Doch er erfährt im Laufe seines Erwachsenwerdens, dass sein Pflegevater ein Nazi ist und auch seine Pflegemutter dieser Ideologie nahesteht. - Grabovac erzählt seine Lebensgeschichte - und das macht das Buch so lebensnah und attraktiv - in einem klaren, schnörkellosen Stil, der das Leben zwischen beiden Kulturen überaus plastisch macht, und schreibt darüber hinaus auch ein Stück Zeitgeschichte. Sehr empfehlenswert.

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das achte Kind

Das achte Kind

Alem Grabovac
hanserblau (2021)

255 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 603830
ISBN 978-3-446-26796-1
9783446267961
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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