Der zweite Jakob

Was das Schlimmste sei, dass er je erlebt habe, fragt Luzie ihren Vater kurz vor seinem 60. Geburtstag. Jakob Thurner, ein österreichischer Schauspieler, erzählt seiner Tochter das Geheimnis, das er 15 Jahre lang für sich behalten Der zweite Jakob hat. Bei einem Dreh an der Grenze zwischen den USA und Mexiko war er als Beifahrer in einen Unfall verwickelt, bei dem eine junge Frau gestorben ist. Die Fahrerin und er haben daraufhin Fahrerflucht begangen. Luzie ist entsetzt über ihren Vater und bricht den Kontakt zu ihm ab. Sie ist ein ungewöhnliches Mädchen, häufig in sich gekehrt und kontaktscheu. Sie ähnelt ihrem verschrobenen Großonkel Jakob, dessen Vorname ihr Vater als Künstlernamen gewählt hat. - In abwechselnden Kapiteln, die in Gegenwart und Vergangenheit spielen, erzählt der Protagonist Jakob von den vier Wochen in El Paso, von der atemberaubenden Landschaft und der beklemmenden Atmosphäre im Grenzgebiet. Durch die Auseinandersetzung mit seiner Tochter in der Gegenwart fängt er an, sich in Frage zu stellen. In seinen Beziehungen ist er gescheitert, das Alter lässt sich nicht mehr leugnen. Ähnelt auch er seinem Onkel? Der vielfach ausgezeichnete Autor Gstrein, zuletzt erhielt er den österreichischen Buchpreis, ("Als ich jung war", BP/mp 19/934) schildert die Sinnsuche eines älteren Mannes. Es bleibt die Frage nach dem Bild, das jeder Einzelne von sich selbst hat. Ein intelligentes Lesevergnügen mit viel Diskussionsstoff, besonders für Lesekreise.

Susanne Emschermann

Susanne Emschermann

rezensiert für den Borromäusverein.

Der zweite Jakob

Der zweite Jakob

Norbert Gstrein
Carl Hanser Verlag (2021)

444 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 603960
ISBN 978-3-446-26916-3
9783446269163
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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