"Ich gönne mir das Wort Gott"

Georg Langenhorst hat sich schon mit vielen seiner Bücher im Grenzbereich von Theologie und Literatur (aber auch Film) bewegt; dies ist vielleicht das bisher wichtigste. Es spielt im Titel auf einen häufig zitierten Satz von Andreas "Ich gönne mir das Wort Gott" Maier an: "Irgendwann habe ich damit angefangen, mir die Verwendung des Wortes Gott zu gönnen." An einer Fülle von Beispielen zeigt Langenhorst auf, dass die literarische Gottesrede seit 1990 wieder Eingang gefunden hat in die zeitgenössische Literatur, ja geradezu einen Trend markiert. Das alte, verheerende Diktum von Gottfried Benn, religiöses Sprechen sei ein "schlechtes Stilprinzip", wird dadurch eindrucksvoll widerrufen. Der Autor spitzt seine These noch zu und arbeitet heraus, dass die religiösen "Suchwege" vor allem von katholisch geprägten Autoren (Hanns-Josef Ortheil, Ulla Hahn, Ralf Rothmann, Arnold Stadler u. v. m.) eingeschlagen werden, während im evangelischen Raum immer noch die scharfe Abrechnung mit der eigenen konfessionellen Herkunft vorherrscht. Am stärksten ist Langenhorst dort, wo er - wie im Enzensberger-Kapitel - lange Entwicklungslinien zieht oder wo er (siehe den Vergleich zwischen SAID und Kurt Marti) streiflichtartige, sehr pointierte Deutungen versucht. Auch wenn man Langenhorst manchmal widersprechen möchte (und kann), ist sein Buch ein großer Wurf: lebendig und profund geschrieben, voller Temperament, mit blitzgescheiten Analysen und gesättigt mit Leseerfahrungen. Wer auf eine Entdeckungsreise in der deutschen Gegenwartsliteratur gehen will und sich gleichzeitig für religiöse Fragestellungen interessiert, findet keinen kundigeren Führer.

"Ich gönne mir das Wort Gott"

"Ich gönne mir das Wort Gott"

Georg Langenhorst
Herder (2009)

328 S.
fest geb.

MedienNr.: 308020
ISBN 978-3-451-32226-6
9783451322266
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li, Re
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