Die Aussprache

Acht Frauen aus drei Generationen sitzen zusammen, um zu beraten, wie ihr Leben weitergehen soll. Männer ihrer Mennoniten-Gemeinde haben sie regelmäßig betäubt und missbraucht und stehen dafür nun in der Stadt vor Gericht. Dies Die Aussprache befreit Greta, Mariche, Mejal, Otje, Agata, Ona, Salome und Nietje nicht davon, ihr eigenes Urteil zu fällen. Die tiefgläubigen Frauen stehen vor dem Dilemma, dem Gebot zu verzeihen, zu gehorchen und zu bleiben, oder ihre Heimat zu verlassen und in einer ungewissen Zukunft einen Neuanfang zu wagen. Hierbei stellen sie sich ganz praktische Fragen, was mit den Jungen, die sie erziehen wollen, geschieht, wie sie zurechtkommen, ohne lesen und schreiben zu können, und wie es ihnen damit erginge, die eigene Herkunft abzuschütteln. - Miriam Toews besetzt verschiedene Positionen mit den acht alters- und temperamentunterschiedlichen Frauenfiguren. Dass das Argumentieren zur Entscheidungsfindung hier nicht abendländischen Vorstellungen entspricht, sondern Geschichten, Träume und Sorgen ausgetauscht werden, taucht den Roman in eine Atmosphäre, die ihm Authentizität verleiht und so dem realen Hintergrund der Erzählung gerecht werden will. Eine Figur, die scheinbar nur als Erzähler eingeführt wird, in Form eines Protokollanten, der das Gespräch der Frauen auf deren Bitte hin niederschreibt, ist durch Kommentare und Beobachtung durchgehend präsent. Er spielt keine Rolle, ist aber Auge und Ohr, die Teilhabe ermöglichen. Am Ende jedoch ist das Beisammensein der Frauen seine Geschichte, womit Toews für den Leser nicht nur eine Überraschung bereithält. Außergewöhnlich und horizonterweiternd. (Übers.: Monika Baark)

Christine Vornehm

Christine Vornehm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Aussprache

Die Aussprache

Miriam Toews
Hoffmann und Campe (2019)

250 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 596006
ISBN 978-3-455-00509-7
9783455005097
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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