Betrachtungen einer Barbarin

Die in Teheran geborene Asal Dardan (*1978) ist mit ihren Eltern vor der islamischen Revolution nach Köln geflohen. In ihrer Familie wird wenig auf kulturelle Traditionen oder Religion geachtet und schon als Kind hört Asal auf, Persisch Betrachtungen einer Barbarin zu sprechen. Sie wächst wie eine deutsche Jugendliche auf, wird aufgrund ihres Aussehens und ihres Namens jedoch nicht als Deutsche wahrgenommen. Nach dem Abi geht sie in die USA und wird mit Rassismus konfrontiert. Zum Studium geht sie nach Schweden und trifft dort nicht nur den zukünftigen Vater ihrer Söhne sondern auch Kommilitoninnen, die ähnlich wechselhafte Biografien haben wie sie. In ihren 10 Essays nimmt sie persönliche Begegnungen als Ausgangspunkt für Betrachtungen über Fremdsein, Ausgrenzung und Identität im größeren Kontext. Aber Dardan geht es nicht nur um Migration, sondern auch um Vergangenheitsbewältigung (Drittes Reich, NSU-Prozesse), Werte wie Redefreiheit oder Selbstbestimmung von Frauen. So beschreibt sie einen Schwangerschaftsabbruch, den sie in Schweden durchführen ließ, wo Frauen ohne verpflichtende Beratung abtreiben dürfen. Dardan erhielt 2020 für einen ihrer Essays den Caroline-Schlegel-Preis und mit dem vorliegenden Titel ist sie für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Sie lebt in Berlin und schreibt als freie Autorin für größere Zeitungen. Ein vielschichtiger, aktueller Blick auf unsere Gesellschaft durch die Augen einer klugen Frau, die sich in keine Kategorie einordnen lässt.

Maria Holgersson

Maria Holgersson

rezensiert für den Borromäusverein.

Betrachtungen einer Barbarin

Betrachtungen einer Barbarin

Asal Dardan
Hoffmann und Campe (2021)

191 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 604479
ISBN 978-3-455-01099-2
9783455010992
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi, So
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