Briefe nach Breslau

"Tod und Leid der Familie Lasker haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin." Dieser Satz, den Maya Lasker-Wallfisch (geb. 1958) am Ende dieses bemerkenswerten Buches schreibt, zeigt, wie prägend sie die familiären Briefe nach Breslau Erfahrungen für die Entwicklung ihrer Persönlichkeitsstruktur ansieht. Die Autorin, Tochter der aus Breslau stammenden jüdischen, nach dem 2. Weltkrieg gefeierten Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, die als Mitglied des Auschwitzer Orchesters die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebte, die über ihre Geschichte - auch ihren Kindern gegenüber - schwieg und erst nach Jahrzehnten als eine der letzten Zeitzeugen darüber berichtete, schildert schonungslos ihre Identitätssuche, stets getragen von Angst, Unsicherheit sowie dem Gefühl, nirgends Verständnis und Halt zu finden. Sie durchlebt als Jugendliche und junge Erwachsene turbulente Jahre, verweigert den Schulbesuch, rutscht in die Alkohol und Drogenszene ab, scheitert immer wieder in problematischen Beziehungen, ehe sie nach erfolgreichem Entzug in der Ehe mit einem religiösen Juden in seinem Glauben eine Heimat findet und sich nun als Psychoanalytikerin erfolgreich der Aufarbeitung unterschiedlichster Traumata widmet, insbesondere deren transgenerationaler Weitergabe. - Ein wichtiges Buch, das allen Büchereien nachdrücklich zu empfehlen ist!

Inge Hagen

Inge Hagen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Briefe nach Breslau

Briefe nach Breslau

Maya Lasker-Wallfisch mit Taylor Downing ; aus dem Englischen von Marieke Heimburger
Insel Verlag (2020)

254 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 950914
ISBN 978-3-458-17847-7
9783458178477
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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