Die Bibel ins Heute schreiben

Die Bibel ist eine wunderbare Fundgrube für Erzählstoffe, weil sie selbst reich an Geschichten ist, arche- und prototypischen Menschheitsfabeln, Katastrophen- und Auferstehungsgeschichten. Christoph Gellner, ein bewährter Wanderer Die Bibel ins Heute schreiben zwischen Theologie und Literatur, legt eine Zwischensumme seiner Forschungen vor. Entstanden ist ein eingängig geschriebenes Lehr- und Lesebuch über den immensen Einfluss biblischer Ausdrucksformen, Figuren und Themen auf die zeitgenössische Literatur. Natürlich kommen die üblichen Verdächtigen vor, Sibylle Lewitscharoff, Felicitas Hoppe, Ralf Rothmann, Arnold Stadler. Patrick Roth fehlt: Ist er etwa überinterpretiert? Dafür werden Thomas Hürlimanns lazarenische Figuren eingehend gewürdigt, und auch die Dramen des Schweizers Friedrich Dürrenmatt stehen für ein religiös gut vermessbares "Existenzlabyrinth". Besonders erhellend sind Gellners Vorstellungen apokalyptischer Postfigurationen in dystopischen (also unheilsschwangeren) Romanen von Thomas Glavinic und Reinhard Jirgl sowie seine Analysen der hadernden Gebetsgedichte von SAID, der Psalmenadaptionen von Uwe Kolbe, der Himmelsbohrungen von Jan Wagner. Ein bunter Bogen, der die Ausstrahlung der Bibel auf die Gegenwartsliteratur belegt und vielfach zum Weiterlesen anhält. Sehr zu empfehlen.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Bibel ins Heute schreiben

Die Bibel ins Heute schreiben

Christoph Gellner
bibelwerk (2019)

Bibel & Literatur ; Band 2
239 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 599999
ISBN 978-3-460-08631-9
9783460086319
ca. 26,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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