Seebachs schwarze Katzen

Für Bert Willer erweist sich "die Fettvettel Zeit" (Zitat) nicht als Heilerin. Im Gegenteil: Denn durch die knallharten Fragen seines 16-jährigen Sohnes konfrontiert sie den Mittvierziger mit seiner Vergangenheit als Hauptmann Seebachs schwarze Katzen der Staatssicherheit, dessen Auftrag es war, intimste Kontakte zu politisch verdächtigen Frauen herzustellen. Eine von ihnen, Bejla, die er zu seiner Zweitfrau erkor, hielt der spät erfahrenen Wahrheit nicht stand und starb einige Jahre nach der Wende. - Was den Roman der gebürtigen Thüringerin Kathrin Schmidt (*1958) von bisheriger Aufarbeitungsliteratur unterscheidet, sind die eigenwilligen Stilmittel, mit deren Hilfe sie die zerstörerische Kraft eines zynischen Systems darstellt. Dass die Autorin derbe, fast naturalistische Metaphern verwendet, ist zunächst ebenso gewöhnungsbedürftig wie ihr auf alle Protagonisten übertragenes überborderndes Psychologisieren. Doch die Lektüre des lesenswerten Romans schärft die Sensibilität für individuelles Verhalten unter konkreten gesellschaftspolitischen Bedingungen.

Kirsten Sturm

Kirsten Sturm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Seebachs schwarze Katzen

Seebachs schwarze Katzen

Kathrin Schmidt
Kiepenheuer & Witsch (2005)

285 S.
fest geb.

MedienNr.: 237946
ISBN 978-3-462-03612-1
9783462036121
ca. 18,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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