Böse Schafe

Vieles in ihrer Beziehung zu Harry kann Soja, Anfang 40, aufgewachsen in Ost-Berlin, aber 1967 nach West-Berlin ausgewandert, nicht verstehen, bis sie seine spärlichen Aufzeichnungen in einem Heftchen findet. Ihre Beziehung kam sehr Böse Schafe plötzlich, beide zogen sich auf unerklärliche Weise an, und selbst Harrys Geständnis, er habe zehn Jahre für einen Raubüberfall eingesessen und müsse für seine Bewährungsauflagen ein Entzugsprogramm durchmachen, schreckt sie nicht ab. Sie hilft ihm sogar, als dieser einen ominösen Joe auftut, organisiert für ihn acht "Aufpasser", die ihn vier Wochen lang nicht aus den Augen lassen und ihn zu den Therapiestunden bringen. Bis zu jenem Tag, an dem Joe ihnen offenbart, dass Harry HIV-positiv ist. Plötzlich erklärt sich für Soja sein merkwürdiges Verhalten beim Sex, doch auch die Angst ergreift von ihr Besitz und lenkt sie davon ab, dass, kaum ist die Therapie beendet, wieder alte Freunde von Harry auftauchen, er auf einmal wieder Geld hat und sich sein Verhalten zunehmend ändert... - Nicht sentimental oder nostalgisch wird dieser Rückblick auf eine anstrengende, aber auf merkwürdige Weise schöne Beziehung beschrieben. Wortgewandt und einfühlsam widmet sich Katja Lange-Müller dem Leben zweier Randfiguren der Gesellschaft, die miteinander Momente des Glücks erleben.

Sonja Schmid

Sonja Schmid

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Böse Schafe

Böse Schafe

Katja Lange-Müller
Kiepenheuer & Witsch (2007)

204 S.
fest geb.

MedienNr.: 276648
ISBN 978-3-462-03914-6
9783462039146
ca. 16,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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