Fun Home

Hinter der Kulisse einer perfekt restaurierten viktorianischen Villa durchleben alle Familienmitglieder ihre persönliche Tragödie. Der Vater terrorisiert seine Familie und verbirgt seine Homophilie hinter Perfektionismus und tyrannischem Fun Home Auftreten. Die Mutter der Autorin und ihre Geschwister ziehen sich in ihre eigene Welt zurück. Das Geständnis der eigenen Homosexualität bringt diese Welt ins Wanken, und der Vater stirbt beim Überqueren der Straße. War es Unfall oder Freitod? Die Autorin begibt sich auf Spurensuche. Dabei kreisen ihre Gedanken und Bilder um die durch ihren Vater vermittelten frühen Begegnungen mit der Literatur, um das Fehlen von Beziehungen innerhalb der Familie und die Sehnsucht danach sowie um die Entdeckung ihrer eigenen Sexualität. Der Comic wird zu einer spannenden Suche nach der eigenen Identität, selten so dicht und mit gleichzeitig ironischer Distanz vermittelt. Ironische Doppeldeutigkeiten bleiben auch in der Übersetzung erhalten (Fun-Home steht nicht für Spaß sondern Funeral/Bestattung). Trotz der Szenen ausgelebter lesbischer Sexualität und seltenen kritischen Auseinandersetzungen mit der Römisch-Katholischen Kirche zeigt dieser Comic einen beachtenswerten Weg, die eigenen Kindheitstraumata aufzuspüren und überzeugt durch sprachliche und zeichnerische Qualität und einem klugen Umgang mit literarischen Vorbildern.

Lotte Schüler

Lotte Schüler

rezensiert für den Borromäusverein.

Fun Home

Fun Home

Alison Bechdel
Kiepenheuer & Witsch (2008)

240 S. : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 276660
ISBN 978-3-462-03922-1
9783462039221
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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